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ethisch-religiöse Atmosphäre auf das Kind ausstrahlt. Er-

zieherhandlungen werden zu ethisch-religiösen Handlungen,

weil das, was getan wird, aus den tiefsten sittlichen Im-
pulsen heraus getan wird. Weil erzieherische Praxis aus
Erzieher-Gewissen fließt, weil in dem werdenden Menschen
geschaut wird das gottgegebene Seelenwesen, deshalb wird
die erzieherische Handlung zugleich zu einer religiösen. Und

es braucht nichts Sentimentales gemeint zu sein, sondern es
kann gerade das gemeint sein, was eigentlich unser so nüch-
tern gewordenes Leben besonders notwendig hat: In ganz

unsentimentalem Sinne kann dadurch, daß Geisteswissen-

schaft eine Leuchte wird, die auf unsere Lebenshandlungen,
auf unsere ganze Lebenshaltung Licht wirft, kann das Leben,
wie in dem angezeigten einzelnen Beispiele der Erziehung,

so eine Art göttlicher Weltendienst werden. Weil wir durch

übersinnliche Erkenntnis nicht zu Abstraktionen, sondern
zu menschlichen Kräften kommen, wenn diejenigen Er-
kenntnisse, die im übersinnlichen Erkennen gewonnen wer-

den, unmittelbar eben Lebenskräfte werden: deshalb können

sie auch überfließen in unsere ganze Lebenshaltung, können

sie durchdringen mit dem, was den Menschen über den

Menschen hinausführt, aus dem Sinnlichen zum Übersinn-

lichen, was ihn zu einem sittlichen Wesen erhebt; können
ihn dazu bringen, daß er wirklich in hingebungsvoller Liebe

eins wird mit dem Geist der Welt und dadurch zum wahr-

haft religiösen Frommsein kommt.

Das offenbart sich ja insbesondere auch in der Erziehung.

Wenn wir das Kind bis zu seinem siebenten Lebensjahr be-
obachten, so ist es ganz hingegeben, physisch hingegeben an

die Umgebung; es ist ein Nachahmer, bis in die Sprache

hinein ein nachahmendes Wesen. Und wenn wir diese phy-

sische Hingabe ansehen, wenn wir das beobachten, was

Naturumgebung des Kindes ist, was für das Kind auch,

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