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Seelisch-Geistigem, das aber erst vorher in seiner konkreten
Wirkungsmöglichkeit, in seinem konkreten Auftreten, erkannt

werden muß.

Und so muß man wiederum erkennen, wie zwei Seelenfähig-

keiten in dem Menschen zusammenhängen, zwischen denen die
heutige Psychologie, die ja in Wirklichkeit von Geisteswissenschaft
eben nicht durchdrungen ist, keinen rechten Zusammenhang fin-
det. Wenn wir sachgemäß hinblicken können auf den wichtigen
Zeitpunkt, den ich als um das neunte Lebensjahr herum liegend
bezeichnet habe, so werden wir sehen, daß in diesem Zeitpunkte
etwas Besonderes vorgeht in bezug auf die Gefühlsfähigkeiten, das
Gefühlsleben des Kindes. Der Mensch verinnerlicht sich. Es treten
eben andere Gefühlsnuancen auf. Gewissermaßen wird das innere
Seelenleben in seinen Gefühlsnuancen selbständiger gegenüber der
äußeren Natur. Dagegen tritt auch etwas auf, was nur bei wirkli-
cher intimer Seelenbeobachtung uns entgegentritt - Jean Paul be-
merkte das auch und sprach es geistreich aus: Wir lernen gewiß in

unseren drei ersten Lebensjahren mehr als in unseren drei akademi-

schen Lebensjahren, weil wir sozusagen ein organisch entwickeltes
Gedächtnis ja noch haben, weil da das Gedächtnis noch organisch

wirkt. Für das Leben lernen wir da nämlich mehr. Aber eine beson-
dere Beziehung, eine Beziehung, die mehr in das bewußte Leben

hineinspielt, wird gerade zwischen dem Gefühlsleben und zwi-
schen dem Gedächtnisleben um das neunte Lebensjahr hergestellt.

Solche Dinge muß man nur sehen. Wenn man sie nicht sehen

kann, so sind sie für einen nicht da. Wenn man diese intimen Be-
ziehungen zwischen Gefühlsleben und Gedächtnis wirklich durch-
schaut, findet man dann, indem man diese Beziehungen pflegt, den
richtigen Gesichtspunkt für dasjenige, wofür an das Gedächtnis
appelliert werden muß im Unterrichte. An das Gedächtnis soll man
eigentlich nicht anders appellieren, als indem man zu gleicher Zeit
an das Gefühlsleben appelliert. Namentlich für den geschichtlichen
Unterricht, für alle geschichtlichen Mitteilungen wird man die rich-
tige Mitteilungsnuance finden, wenn man weiß: was dem Gedächt-
nisse einverleibt werden soll, soll in unserer Darstellung immer

Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 297 Seite:179