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und so weiter. Da handelt es sich darum, daß im Unterbewußtsein des

Kindes - unendlich viel ist ja in der Wesenheit des Kindes im Unterbe-

wußten, nicht im Bewußtsein - eine Frage auftritt, die aber nicht
verstandesmäßig formuliert wird, sondern nur im Empfinden lebt: Die

selbstverständliche Autorität hat mir angegeben bisher, was wahr, was
gut, was schön war; diese selbstverständliche Autorität ist die Verkörpe-
rung von Wahrheit, Güte, Schönheit; ist sie es auch wirklich? Der
Zweifel braucht gar nicht ausgesprochen zu werden, aber er ist da. Da ist
er und greift in der gekennzeichneten Weise in das Leben des Kindes ein.

Da handelt es sich darum, daß man gerade in diesem Lebenspunkte,

für den man eine gesunde, freie Beobachtungsgabe haben muß, nun auch
das richtige Wort, das richtige Verhalten findet. Mannigfaltiges ist
notwendig. Der Takt, der Instinkt, die Intuition müssen es geben. Dann
kann man in diesem Lebenspunkte des Kindes etwas tun, was für das
ganze folgende Erdenleben von einer ungeheuer weittragenden Bedeu-
tung ist. Findet man die Bemerkungen, die Handlungen, das Verhältnis,
wodurch man dem Kinde in seiner Art begreiflich macht: Ja, du hast

recht, daß du in mir die selbstverständliche Autorität siehst, - dann ist

man ein aus der innersten Seele heraus wirkender wahrer Wohltäter des

Kindes geworden.

Denn wohl dem Menschen, der, über diesen Lebenspunkt hinausge-

hend, um das neunte, zehnte Lebensjahr herum, zu einer selbstverständ-
lichen Autorität verehrend hinaufblickt! Kein Mensch kann in seinem

Leben zu einem freien Wesen werden, der nicht zuerst vor seinem

geschlechtsreifen Alter sein Leben hat einrichten gelernt, wie ein hochge-
schätzter Mensch sich verhält. Sich unterstellen in dieser Weise aus innerer
instinktiver Freiheit, sich so gegenüberstellen einem solchen Menschen,
sich sagen: Das ist das Rechte, zu tun, was er tut - das macht eigentlich erst
etwas aus den Anlagen zur Freiheit, die der Mensch in sich birgt.

Kurz, wir müssen als Waldorfschullehrer in jeder Beziehung in der

intimsten Weise die selbstverständliche Autorität aufrechterhalten. Wie
können wir sie aufrechterhalten? Wenn wir durch einen solchen Verkehr

mit dem Elternhaus in den Eltern das Gefühl hervorrufen: Wir dürfen

auf unsere Kinder so einwirken, daß sie die selbstverständliche Autorität

in dem Lehrer, in dem Erzieher sehen. Es kann trivial klingen, aber es ist

Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 98 Seite: 215